Die vier Glättearten und ihre Entstehung

Der Winter hat viele Gesichter und die Freude am Winter ist geteilt. Viele Menschen freuen sich auf die Kälte, mit hoffentlich reichlich Schnee. Für andere wiederum ist der Winter die kalte, dunkle und ungemütliche Jahreszeit, die einen häufig nicht nur auf eine harte Geduldsprobe stellt. Starke Schneefälle oder vereiste Straßen werden insbesondere für Autofahrer zum zusätzlichen Sicherheitsrisiko. Fußgänger sind gefährdet, glättebedingte Stürze führen häufig zu Verletzungen.

Auch für unsere Meteorologen ist der Winter jedes Jahr aufs Neue eine anspruchsvolle Aufgabe, die es zu meistern gilt. Besonders schwierig ist die Vorhersage von Glätte.

Warum das so ist, versteht man erst, wenn man weiß, was Glätte eigentlich ist und wie sie entsteht. In der Regel spricht man pauschal von „Glatteis“ oder auch von „Blitzeis“, jedoch unterscheidet man in der Meteorologie je nach Entstehung im Wesentlichen vier Glättearten:
–          Glätte durch Schnee oder Schneematsch
–          Glätte durch gefrierende Nässe
–          Reifglätte
–          Glätte durch gefrierenden Regen

Leicht erkennbar ist Glätte, die durch Schnee oder Schneematsch entsteht. Bleiben die ersten Flocken in Form von Schneematsch auf Straßen und Wegen liegen, ist es besonders rutschig. Liegt erst einmal eine geschlossene Schneedecke, kann man sich gut auf die winterlichen Straßenverhältnisse einstellen, die Glätte ist dann nicht zu übersehen. Besonders gefährlich ist es an Steigungen und dort, wo Fahrzeuge den Schnee leicht antauen, z.B. vor Ampeln und auf Kreuzungen. Der Schnee wird dann zu einer eisähnlichen Schicht komprimiert und ist dabei besonders glatt.

Wesentlich „tückischer“ hingegen ist Glätte durch gefrierende Nässe – in den Medien oft auch als „überfrierende Nässe“ bezeichnet. Auf den ersten Blick ist sie schwer zu erkennen und kann auch schon auftreten, wenn die Lufttemperatur im Plusbereich bei 2 bis 3 Grad liegt. Gefrierende Nässe tritt dann auf, wenn der Boden z.B. nach Durchzug eines Niederschlagsgebietes oder von Schauern noch nass ist und der Himmel abends, nachts oder in den Frühstunden rasch aufklart. Ist der Boden nass genug und gehen die Temperaturen rasch zurück, können Straßen und Wege nicht schnell genug abtrocknen und die Feuchtigkeit gefriert zu einer dünnen Eisschicht.

Da die Luft bei klarem Himmel direkt am Boden schneller auskühlt als die Luft darüber, ist schon Vorsicht geboten, wenn bei nassem Boden die Temperaturen nur noch wenig über dem Gefrierpunkt liegen.

Reifglätte gehört ebenfalls zu den schwer erkennbaren Glättearten. Sie tritt meist lokal eng begrenzt auf einzelnen Wegstrecken und Brücken auf und überrascht die Autofahrer oft. Wenn sich feuchte Luft unter den Taupunkt – das ist die Temperatur, bei der die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist, also quasi kein Platz mehr für weitere Wasserdampfteilchen lässt – abkühlt, dann kondensiert der Wasserdampf, er schlägt sich als Tau nieder. Geschieht dies bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, entsteht Reif, der bei Sonnenschein am Morgen sehr schöne Bilder liefert, aber auch zu vereisten Fahrbahnen und Wegen führt. Wegen des fehlenden wärmenden Untergrundes sind Brücken besonders gefährdet, ebenso Straßen in Gewässernähe und durch Wälder.

„Glatteis“ wird oft als Oberbegriff für Glätte verwendet. Dabei ist er klar definiert und beschreibt Glätte, die durch Regen hervorgerufen wird, der auf gefrorenen Boden trifft und hier eine Eisschicht bildet.

Die Grafik zeigt grob, wie Glatteisregen entsteht: Mildere Luft (orange) schiebt sich über bodennah vorhandene Kaltluft (blau). Schnee, der in diese milde Luftschicht fällt, schmilzt, wenn die Warmluftschicht mächtig genug ist. Und am Boden gefriert der aus der milderen Luft in die kalte Grundschicht bzw. auf den gefrorenen Boden fallende Regen zu einer Eisschicht.

Gefriert der Regen bereits vor Erreichen des Bodens, fallen auch Eiskörner, die ebenfalls eine Eisschicht bilden können, die etwas stumpfer, aber dennoch gefährlich ist. Man spricht in dem Fall auch von Eisregen.

Länger andauernder Glatteisregen kann Bäume und Überlandleitungen beschädigen. Stromleitungen können reißen und ihre Leitfähigkeit verlieren, Strommasten durch einseitige Belastung sogar umstürzen.

Glätte kann aber auch in den wärmeren Monaten auftreten, wenn ein starker Graupel- oder Hagelschauer durchzieht und sich auf dem Boden vorübergehend eine Schicht aus Graupel oder Hagel bildet. Auf einer oft nur wenige Hundert Meter langen Wegstrecke kann es dann sehr plötzlich glatt sein.

Für die Glättebildung wird neben tiefen Temperaturen auch Feuchtigkeit benötigt - in Form von hoher Luftfeuchtigkeit oder als Niederschlag. Ist die Luft dagegen extrem trocken, kann sich auch bei starkem Frost keine Glätte bilden. Bei sehr trockener Luft entfällt dann häufig auch das lästige Eiskratzen vor dem Antritt einer Autofahrt.

Im Winter sind Warnungen vor Glätte fester Bestandteil der Berichterstattung in den Medien. Gerne werden dabei die einzelnen Begriffe bzw. Glätteformen vermischt, was aber verständlich ist, weil es einzig darum geht, auf die Gefahren hinzuweisen.

So wurde in den Medien vor ein paar Jahren der Begriff „Blitzeis“ geprägt, bei dem es sich streng genommen nicht um einen meteorologischen Terminus handelt. Aus meteorologischer Sicht ist es das klassische, oben beschriebene Glatteis. Der alarmierende Charakter des Begriffs „Blitzeis“ dient aber ganz sicher der Sache, eindringlich auf die Gefahr des überraschend schnell eintretenden Glatteises hinzuweisen – auch wenn Meteorologen diesem Begriff häufig kritisch gegenüberstehen.

Abschließend ergibt sich so auch die Antwort auf die Frage, warum die Vorhersage von Glätte so schwierig ist: Es ist die Komplexität der Faktoren.

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Für die Glättebildung wird neben tiefen Temperaturen auch Feuchtigkeit benötigt - in Form von hoher Luftfeuchtigkeit oder als Niederschlag. Ist die Luft dagegen extrem trocken, kann sich auch bei starkem Frost keine Glätte bilden.