Wetterrückblick Frühjahr 2018, Deutschland und die Schweiz

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern betreibt Meteogroup ein eigenes Messnetz mit 530 Wetterstationen in Deutschland und 360 in der Schweiz haben wir das dichteste Netz an privaten Wetterstationen in Europa. Die Beobachtungsdaten unserer Wetterstationen sind von großer Bedeutung für die Erstellung von Regional- und Lokalvorhersagen. Ein kurzer Rückblick auf den Frühling 2018.

Die Schweiz

Extrem warmer Frühling
Die Schweiz erlebte den viertwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864. Das landesweite Mittel betrug exakt 6 Grad. Fast gleich mild war der Frühling 2017 mit 6,1 Grad. Noch wärmer waren nur der Frühling 2011 mit 6,8 Grad und der Frühling 2007 mit 6,7 Grad. Die markante Frühlingserwärmung dauert somit an. Die sechs wärmsten Frühlinge wurden alle nach dem Jahr 2000 registriert. Seit dem Jahr 2000 lag der Frühling zehnmal mehr als 1 Grad über der Norm 1981 bis 2010. Davor gab es dies nur zweimal. Die Regenmengen blieben trotz des Wärmeüberschusses in den meisten Gebieten unterdurchschnittlich. Es wurden nur 80 Prozent der Norm erreicht, in der Ostschweiz sogar nur 60 Prozent.

In Sachen Sonne fiel der Frühling allerdings nur durchschnittlich aus. In einigen Regionen zeigte sich die Sonne sogar weniger als normal.

Sehr trüber März 
Der März 2018 blieb im landesweiten Mittel 1 Grad unter der Norm 1981 bis 2010. Vor allem die Alpensüdseite registrierte einen der kühlsten Märzmonate der letzten 30 Jahre mit 1 bis 2 Grad unter der Norm.  Zu den kühlen Temperaturen wurde vor allem auf der Alpensüdseite reichlich Niederschlag gemessen mit 140 bis 200 Prozent der Norm. Nur im Mittelland blieb es etwas zu trocken mit 80 bis 90 Prozent. Der vorwiegend tiefdruckbestimmte März sorgte nur für 60 bis 70 Prozent der normalen Sonnenscheindauer. Entlang des Alpennordhangs waren es örtlich sogar nur 50 Prozent.

Zweitwärmster April seit 1864
Im landesweiten Mittel war der April 3,9 Grad zu warm, regional sogar 4 bis 5 Grad. Damit ist er der zweitwärmste April seit Messbeginn. Noch wärmer war nur der April 2007 mit einer Mitteltemperatur von 9,0 Grad. In St. Gallen stieg der Mittelwert sogar auf 12,6 Grad, das ist das höchste Mittel seit Messbeginn. An einigen Messstationen wurden Rekordtemperaturen erfasst, wie zum Beispiel in Sion mit 28,9 Grad am 20.04.2018. Die häufigen Hochdruck- und Föhnlagen lieferten viel Sonnenschein mit 130 bis 170 Prozent der Norm 1981 bis 2010. In einigen Regionen reiht sich der diesjährige April als drittsonnigster in die homogenen Messreihen ein, welche bis 1959 zurückreichen.

Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass der April 2018 deutlich zu trocken ausgefallen ist. Im östlichen Mittelland zählt er zu den zehn niederschlagsärmsten Aprilmonaten seit Messbeginn 1864.

Warmer und gewittriger Mai
Der Mai 2018 war mit einer Mitteltemperatur von 10,5 Grad um 2 Grad wärmer als die Referenzperiode 1981 bis 2010. Ähnlich mild waren die Jahre 2001, 2009 und 2011. Noch wärmer fiel nur der Rekordmai 1868 mit einer Mitteltemperatur von 12,1 Grad aus. In Zürich, in Samedan und auf dem Säntis wurde der zweitwärmste Mai registriert. Nach dem extrem trockenen April kam vor allem in der zweiten Monatshälfte der lang ersehnte Regen. Immerhin wurde meist durchschnittlicher Niederschlag gemessen, auf der Alpennordseite und im Wallis dank Gewitter auch lokal über 100 Prozent der Norm 1981 bis 2010. Am 22. Mai ereigneten sich lokal sehr heftige Gewitter. Dabei kam es innerhalb kurzer Zeit zu 40 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Die höchste Tagessumme fiel am Messstandort Belp bei Bern mit 73,2 Liter Regen, die höchste Stundensummer betrug 46,6 Liter.

Die Sonne zeigte sich aufgrund der Quellwolken nur durchschnittlich lange. Einige Regionen erzielten sogar nur 80 Prozent der normalen Sonnenscheindauer.

Deutschland

Kaltstart mit heißer Fortsetzung
Einen recht kalten Start und ein hochsommerlich heißes Ende erlebte Deutschland im Frühjahr 2018. Insbesondere im Norden und Osten herrschte Anfang März noch zum Teil strenger Frost. Allerdings war das nur eine kurze Episode. Es folgten der wärmste April und Mai seit Beginn durchgehender Wetteraufzeichnungen. Dies machte schließlich das gesamte Frühjahr zum zweitwärmsten jemals dokumentierten.

Winterlich kalter März
Eine trocken-kalte Ostströmung insbesondere zu Beginn und Mitte des Monats ließ atlantischen Tiefs kaum einen „Durchschlupf“ nach Deutschland. Lediglich zu Beginn der zweiten und während der dritten März-Dekade schaffte es ein Hauch von Frühling zu uns durchzudringen. Dementsprechend dominierten im ersten Monat des Frühlings die meiste Zeit tief winterliche, wenn auch eher schneearme Verhältnisse mit schneidend-eisigem Nordostwind. Insgesamt führte dies schlussendlich zu einer deutschlandweit recht deutlichen Temperaturabweichung von minus 1 Grad gegenüber der Referenzperiode 1981-2010.

Typisch für kontinentale, trockene Festlandluft aus Osten bis Nordosten blieben wir dann mit einem „Minus“ von 11 Prozent auch von den Niederschlagsverhältnissen her deutlich unterdurchschnittlich, während die Sonnenbilanz einigermaßen ausgeglichen dem Durchschnitt entsprach. Erwähnenswert sind noch die z.T. rekordverdächtigen Schneefälle, die zum 1. des Monats im nördlichen Schleswig-Holstein sowie in den Ostseeküstengebieten die weiße Pracht bis zu 40 Zentimeter hoch auftürmte. Mitte März führte dann starker Nordostwind in einigen Gebieten zu meterhohen Verwehungen.

Wärmster April seit 1881
Ein völlig anderes Gesicht zeigte uns der April. Während in den ersten Tagen im hohen Norden, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern, nochmals bis zu 35 Zentimeter „Osterschnee“ fielen, folgte eine rasante Erwärmung: Völlige Schneeschmelze binnen nur drei Tagen und der Einzug des Frühlings ins gesamte Land! Viel Zeit blieb diesem aber nicht, denn schon zur Monatsmitte ließen sich die Temperaturen eigentlich nur noch mit „sommerlich“ bis „hochsommerlich“ beschreiben. Gleich an 16 Stationen wurde die 30-Grad-Marke durchbrochen, vielerorts purzelten Rekorde. Der Sommer 2018 begann eigentlich bereits Mitte April. Mit einem landesweiten Monatsmittel von 12,4 Grad erreichten wir satte 4 Grad mehr, als wir es hätten erwarten dürfen gemäß der Referenz 1981-2010. Wir erlebten den wärmsten April seit Beginn durchgehender Aufzeichnungen im Jahre 1881!

Auch niederschlagstechnisch erreichte das zweite Frühlingsdrittel schnell ein sommerliches Gepräge. Einerseits durch erste kleinräumige, äußerst kräftige Gewitterregen mit örtlichen Überschwemmungen, beispielsweise im Raum Aachen. Andererseits durch ausgesprochene Trockenheit bezogen auf großflächige Bereiche und Regionen. Insgesamt fielen deutschlandweit nur etwa 60 Prozent des Niederschlagsolls.

Dazu passend auch die Sonnenscheinbilanz: Mit fast 230 Sonnenstunden übertraf diese die „Norm“ gleich um etwa 50 Prozent!

Wärmster Mai seit 1881
Wer noch im April an ein vorübergehendes Sommer-Intermezzo glaubte, sah sich im Mai schnell eines Besseren belehrt. Trockene Festlandluft durch Hochdruckeinfluss über Nordeuropa sorgte über weite Strecken weiterhin für sommerlich warmes, zum Ende hin sogar hochsommerlich heißes Wetter. Erneut wurden an einigen Stationen mit Temperaturen bis 34 Grad neue Allzeit-Bestmarken für einen Mai erreicht. Auch die Anzahl an Sommertagen (mind. 25 Grad) sprengte vielerorts alles bisher Dagewesene. Am Ende stand fest: Deutschland hatte gerade den wärmsten Mai seit mindestens 137 Jahren erlebt! Mit einem Gebietsmittel von 16,0 Grad wurde der Vergleichswert der Periode 1981-2010 gleich um 3 Grad überboten.

Die Kehrseite: Ganze Serien örtlich schwerer Gewitter - vor allem gegen Monatsende - begleitet von z.T. ortsfesten extremen Regenfällen mit Überflutungen und verheerenden Schäden. Abseits dieser kleinräumigen Ereignisse verlief der Mai zum Teil extrem trocken, ganz besonders im Norden und Osten des Landes. Gemittelt blieben wir etwa 28 Prozent unter dem vieljährigen Normalwert.

Wenig überraschend, dass die Sonnenbilanz mit einem Plus von ca. 40 Prozent weit überdurchschnittlich ausfiel und den Rekord-Mai 2018 auch noch zu einem der fünf sonnigsten seit mindestens 1951 machte.

Die Schweiz erlebte den viertwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864. Die markante Frühlingserwärmung dauert somit an. Die sechs wärmsten Frühlinge wurden alle nach dem Jahr 2000 registriert.